Maya-Kalender oder Bauern-Kalender?


Maya-Kalender prophezeit Weltuntergang für Dezember 2012

Frühlingserwachen
Frühling in Selzthal

Das Leben ist zu kurz ...

 

In stummer Verzückung sitze ich mit geschlossenen Lidern auf meiner Gedankenterrasse, meinem Balkon, und die zarten Strahlen der noch jungen Frühlingssonne wärmen mein Gesicht. Ihre jungfräuliche Wärme ist noch schwach und vergänglich. Die Erlen, welche mit nacktem Geäst in stoischer Gleichgültigkeit am Bachufer wurzeln und auf ihre Triebe warten, nehmen der Sonne die Kraft, sobald sich ihre Bahn mit den Baumkronen kreuzt. Dennoch jubiliert mein Körper nach vielen Monaten frostiger Kälte über jeden Strahl der ihn trifft. Begierig saugt er die zarte Wärme in jede Pore, meine gemarterte Seele jubiliert im Innersten und die kirschrote Flüssigkeit, die vormals zäh und langsam durch die Arterien floss, fühlt sich plötzlich wild und ungestüm an, wie ein Wildbach der zur Schneeschmelze durch eine enge Klamm braust. Sein jugendliches Tosen, das kräftige Rauschen, lässt mich wieder den narzisstischen Klang adoleszenter Zeiten verspüren. Das Knacken meiner Gelenke und Sehnen, als ich die Arme jauchzend in die Höhe strecke, lässt mich die missmutigen Tage des Nichtstuns vergessen. Das Leben ist zurückgekehrt, füllt meine Glieder und verdrängt den Kummer, eines bis vor Kurzem noch unter dickem Eis gefangenen Wassermanns. Vivaldis vier Jahreszeiten im Kopfhörer bin ich leicht und beschwingt dazu angetan, die Welt zu umarmen und bin froh, die Schwere von La Traviata abgeschüttelt zu haben. 2012 wird die Welt nicht untergehen, soviel steht jetzt schon für mich fest. Und wer glauben sollte, was irgendein Kalender aus grauer Vorzeit prophezeit, der nimmt sich die Freude am Leben, jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde und somit den Sinn des Seins. Vogelgezwitscher, rauschende Wasser, in der Sonne leuchtende Schneefelder, die von Tag zu Tag kleiner werden, Blumen die aus dem Boden sprießen und unser Auge mit buntem Farbenspiel erfreuen, junge Triebe, die an Ästen austreiben und bald zu Blättern werden, die uns im Sommer kühlenden Schatten spenden, die Kraft der Natur ... warum sollte ich da ans Sterben denken? Warum sollte ich an solchen Tagen an den Weltuntergang denken, nur weil einige Wichtigtuer ihn voraussagen?

 

Einige Gauner die sich wichtigmachen, um ängstlichen, abergläubischen Menschen mit dubiosen Methoden ihr Geld abzunehmen und so Rettung für den Ernstfall versprechen. Ich lache über solche Menschen! Lache über die Naivität und Leichtsinnigkeit, mit der sich manche Menschen ihr Leben zerstören lassen. Lachen Sie mit mir, und freuen wir uns über jeden Tag, denn wir im Gelobten Land, so sehe ich die Steiermark mit ihrem Wasser- und Waldreichtum, verbringen dürfen. Gehen wir hinaus und genießen die Natur, die Sonne auf unserer Haut, den Wind in unserem Haar. Und haben wir Spaß! Ein Freund sagte einmal zu mir: „Das Leben ist zu kurz, um andauernd Trübsal zu blasen.“ Vollkommen richtig. Und wenn ich auch nicht mehr der werde, der ich einmal war, und wenn auch die Kraft von einst weniger wurde, so bin ich doch ein Mensch mit positiven Gedanken – nicht immer, aber immer öfter. Und das Leben ist wahrlich zu kurz, um es nicht von seiner schönen Seite zu sehen und zu nehmen. Nicht jeder Tag wird ein sonniger sein, nicht jeder Tag wird uns jauchzen lassen vor Glück, aber jeder Tag, an dem wir nicht wenigstens versuchen das Beste aus ihm herauszuholen ist ... ein verlorener Tag! Sie gehören zwar zum Leben, wie die guten Tage, jedoch verkürzen Kummer und Gram das Leben entscheidend, wohingegen Freude und Lachen es verlängern. Apropos Lachen: Ich habe mich an Stelle des auslaufenden Maya-Kalenders, für den ewig währenden Bauern-Kalender, auch "Mandlkalender" genannt, entschieden

 

Und sollte die Welt irgendwann einmal untergehen, mit all ihrer Schönheit, würde ich nicht der sein wollen, der irgendwo allein auf einem Berg sitzt und auf die Verwüstung herabblickt. Lieber würde ich der sein, der mit der Welt untergeht und mit allem, was ich an ihr so liebe.

 

„Das Leben ist zu kurz, um an das Ende der Welt zu denken“ und solange es so geniale Musiker wie "Gotye" gibt, die in ihrem Song "Irgendjemand suchen den sie kennen sollten", warum sollte da die Welt untergehen?