Skifliegen

 

Für Wolfgang Loitzl – Vierschanzentourneesieger 2008/09

 

Gedämpft hör ich die Menge toben, es müssen Tausend sein

und ich steh hier, soweit heroben, die Menschen sind ganz klein.

Der Starter gibt mir das Signal, mein Puls, beginnt zu steigen,

vorsichtig rutsch ich auf den Balken, nur nicht nach vorne neigen.

 

Die Bindung wird noch kontrolliert, das ist bei mir so Brauch,

der Helm sitzt gut, die Brille passt, Spannung baut sich auf.

Im Tal da rauscht der Flaggenwald, jetzt fehlt mir gleich der Halt,

hab keine Zeit mehr nachzudenken, der Balken fühlt sich an so kalt.

 

Zigtausend Fans, die auf mich warten, warten auf noch größere Taten,

in mir ist alles angespannt, auf mich wartet ein ganzes Land.

Der Trainer lässt die Fahne sinken, das ist für mich das Startsignal,

seh´ Punkte, die mit Fahnen winken, jetzt geht es ab für mich ins Tal.

 

Stoß kraftvoll mich vom Balken ab, lieber Gott schau jetzt herab,

begleite mich auf meinem Flug und gib Weite mir, „Genug“!

Die Spur ist eisig, ratternd, schnell und es wird ziemlich laut im Helm,

der Eiswind peitscht mir ins Gesicht, wenn er an meinem Körper bricht.

 

Ich nehme nichts mehr um mich wahr, bin völlig fokussiert,

mit voller Fahrt den Punkt zu treffen, damit der Absprung Super wird.

Der Puls rast hoch nur noch Sekunden, plötzlich ist die Kante da,

und schon blicke ich nach unten, das Gefühl ist wunderbar.

 

Wenn Anfahrt, Absprung, alles stimmt, der Ski den richt´gen Winkel nimmt,

dann schieß ich wie ein Pfeil hinaus, und koste dieses Feeling aus.

Ich schmiege mich an meinen Ski und reite auf der Luft,

zwischen mir und festem Boden, ist eine hohe Kluft.

 

Das ganze Jahr trainiere ich, für so einen Moment,

wo ich wie ein Adler fliege, hoch am Firmament.

Ich möchte immer weiter fliegen und mache mich ganz lang,

da rauscht urplötzlich Jubel auf, aus tausend Kehlen Klang.

 

Ich habe die letzte Linie, schon lange überwunden,

Schwerkraft fordert den Tribut und zieht mich nun nach unten.

Jetzt noch einen Telemark, da es nichts Bess´res gibt,

weil man mit fünfmal zwanzig und hoher Weite siegt.

 

Die Hände reiß ich hoch zum Jubel und fahre locker raus,

das Stadion verwandelt sich, die Massen flippen aus.

Das Gefühl „Glückseligkeit“, in meinem Herzen wohnt,

für harte Arbeit übers Jahr, wurde ich belohnt.

 

© Alfred Stadlmann 2009