Heb deinen Arsch und mach was!

Kurzgeschichte - Vorgabe: "Ich kann mich nicht konzentrieren" 50 Zeilen


Einen halben Liter fasst mein Bierglas, das vor mir steht und mit Wasser gefüllt ist. Vier davon sollte ich täglich trinken, hat der Physiotherapeut gemeint, das wäre gut für mich.

„Was weiß der denn schon, was gut für mich ist“, murmle ich mürrisch und starre auf den Monitor in meinem Computerschrank. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren heute. Das einst fließende Knacken meiner Computertasten ist an diesem Tag abgehackt, schwerfällig und das monotone Lüftergeräusch aus dem Computer einschläfernd.

Tik, tik, tik ... der Cursor blinkt wie ein Metronom.

Werde ich vor- oder nach ihr sterben, schießt es mir durch den Kopf

Tik, tik, tik ...

Das Glas ist jetzt nur mehr zu einem Drittel gefüllt. Ich stelle es sanft auf das helle Buchenholz und sehe zu, wie das schaukelnde Wasser langsam zur Ruhe kommt; eine einheitliche Ruhe.

„Geh raus, bewege dich, hock nicht dauernd im Wohnzimmer herum!“

„Bla ... bla ... bla ...“, ich kann ihre trotzig aufmunternden Worte schon nicht mehr hören.

„Glaubst du, alle tanzen nach deiner Pfeife? Oder glaubst du ..., ich tanze danach“, blaffe ich meinen Bildschirm an. Stille!

„Also ich ...“

„Lass mich in Ruhe, ich muss mich konzentrieren, mein Text ...“ - Rums!

Was kann die Wohnzimmertüre dafür, denke ich. Warum fühle ich mich in letzter Zeit nur so elend, so ausgekotzt, so unnütz.

Tik, tik, tik ...

Wo sind nur die Zeiten hin, als alles was ich anfasste zu Gold wurde? Als noch Liebe zwischen uns war und nicht so ein Geschwafel: du solltest den Arsch hochkriegen und dir etwas suchen, das dich ausfüllt.

Ich bin vierzig – verdammt! Was füllt einen 40-jährigen aus? Ein Bier mit Freunden, vielleicht. Abhängen, sich über Gott und die schlechte Wirtschaftslage unterhalten. Aber nicht einmal dafür reicht mein Erspartes. Mein Mund ist trocken meine Gesichtszüge werden hart, ich spüre Verspannungen den Nacken hochkriechen.

„Trinken, viel trinken“, hat der Doktor gemeint. Nach seiner Honorarnote blieb nicht mehr viel übrig, dass ich fürs Trinken ausgeben konnte. Seit drei Tagen rauche ich nun nicht mehr.

„Du musst sparen“, meinte meine Frau, aber sie pafft weiter und ich darf ihr dabei zusehen; ich bin ja der Arbeitslose.

Ich trinke den letzten Schluck Wasser und versuche die Bitterkeit im Mundraum hinunter zu spülen. Noch drei Gläser heute.

Tik, tik, tik ... mein Bewerbungstext soll etwas Besonderes werden.

Verdammt, ich kann mich nicht konzentrieren.

Arbeitslos ..., tik, tik, tik ..., was für eine Scheisse!