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Neun dunkelgraue Kurzgeschichten

Fass doch deine Kurzgeschichten zu einem eBook zusammen, dachte ich vor einigen Wochen. Ich hab´s getan. Neun Geschichten, neun Schicksale, neun Szenarien, in denen meine Protagonisten durch die nebulösen Welten der Ängste, Sehnsüchte, Midlife-Crisis und Hoffnungslosigkeiten tauchen. Wer wenn nicht ich, würde verstehen, wie es dort in etwa aussieht?

 

Doch wie heißt es im Prolog?

 

"Wie im Leben, kommt es auch in Geschichten manchmal zu interessanten Metamorphosen und aus einer Raupe wird ein Schmetterling, der sich flügelschlagend aus seinem Kokon in die Lüfte erhebt."

 

Zum Titel meines Kurzgeschichtenbandes wurde ich durch ein Foto meiner Nichte, Marion Sölkner inspiriert. Sie ist auch auf dem Cover abgebildet. Danke, Marion. :)

Bei einem Spaziergang durch einen Park in Spanien fotografierte ihre Freundin Kathi dieses nebulöse Bild. Danke Kathi. :)

 

Wer keinen Kindle Lesecomputer hat, findet auf Amazon eine Gratis-App, um mein oder jedes andere Kindle Buch auf Android Mobiltelefon oder Tablet, iPad, iPhone, Mac oder PC zu lesen. HIER KLICKEN

 

Wer mein Buch herunterladen möchte, (worüber ich mich sehr freuen würde) einfach auf den unten stehenden Amazon-Link klicken.

 

Neun dunkelgraue Kurzgeschichten

Wenn Menschen die Farben der Welt aus ihrem Blickfeld verlieren und in die nebulöse Welt der Lethargie abtauchen, sind zumeist einschneidende Ereignisse dafür verantwortlich. Ein Polizist, der an Mord denkt; ein Mann, der bei einem Besuch Todesängste aussteht; ein Krüppel, der hämisch grinsend jemand beim Sterben zusieht; und sechs weitere dunkelgraue Geschichten warten in meinem neuesten Kurzgeschichtenband auf Sie, geneigte Leser.

 

Neun dunkelgraue Kurzgeschichten

 

Mehr Details zum Buch auf meinem Steirerbuablog

Und wie der Applaus für den Musiker, ist eine Rezension Lob für den Autor. Es ist zwar einfach zu klatschen, als zu schreiben, jedoch würde es mich freuen, Deine Meinung zum eBook in Form einer Rezension auf Amazon zu lesen. Wer schreibt, der bleibt ;-)

 

Kurzgeschichten in meinem Buch:

 

Mord
Todesangst
Der Tod kennt kein Erbarmen
Der Nachtzug war sein Schicksal
Das ist nicht rechtens
Feddersen trifft seine Wahl
Zoff bei Boisenbergs
Irgendwie ...
Veilchen für die Tote

 

 


Leseprobe:

Zoff bei Boisenbergs

 

Birgit, komm ... komm rasch, bei Boisenbergs gibt´s endlich mal Zoff.«

Hans Müller stand in Shorts und seinem weißen fleckigen Unterhemd grinsend am angelehnten Fenster und beobachtete neugierig den Vorgarten seiner Nachbarn. Seine Nase klebte diesmal nicht – wie sonst immer - an der Scheibe, der vom Zigarettenrauch dunkelbraune Store war noch vorgezogen. Trotzdem erkannte er sofort, dass drüben etwas nicht stimmte, bei seinen verhassten Nachbarn. Seit drei Jahren saßen dort Jaques und Edith Boisenberg an sonnigen Sommertagen turtelnd nebeneinander, in ihren gemütlich aussehenden Liegestühlen. Dabei berührten sich die Armlehnen, so, als wären es siamesische Zwillinge. Die Sitzposition hatten sie so gewählt, dass sie direkt auf das Haus der Müllers starren konnten. Ohne Zweifel eine Provokation und bestimmt lachten sie jedes Mal über deren armseligen Vorgarten mit dem vergammelten Rasen und dem darin wuchernden Unkraut. Früher, als Hans noch jünger war, so wie die beiden, da hatte er seinen Vorgarten auch gut in Schuss gehalten, alles war gepflegt gewesen, die Rosen, Nelken und Hyazinthen von Birgit eine Augenweide. Jetzt, mit siebzig und nach zwei Bypass Operationen, ohne Enkelkinder, die im Garten herumtollen würden, wozu sollte er sich abplagen.

»Ihr Yuppies, ihr macht doch eh nichts selber, bei euch kommen ja der Gärtner und der Poolreiniger. Wäre gespannt was die bei Edith so alles mähen und reinigen, wenn du einmal nicht daheim bist, Jaques.«

Hans heiseres Lachen verebbte in einem trockenen Husten, der sein Gesicht puterrot färbte. Die Asche der Zigarette trudelte achtlos auf den grauen Laminatboden. Nachdem er angewidert den schleimigen Brocken Lunge hinuntergewürgt hatte, den ein Hustenkrampf jedes Mal in seinem Rachen ablegte, vermutlich um ihn daran zu erinnern, dass er mit dem Rauchen aufhören sollte, wanderte sein geröteter Blick wieder in den Nachbarsgarten. Dort standen die zwei Liegestühle heute Kopf an Kopf, trotzig und feindselig, wie Hans mit jetzt wieder entspannten Gesichtszügen wohlwollend feststellte. Jaques würde Edith heute nicht sehen wollen und sie ihn auch nicht. Vielleicht hatten sich die beiden so zerstritten, dass sie demnächst von hier wegziehen würden.

»Nein, so viel Glück ist mir sicher nicht beschieden«, murmelte er, drehte sich um und stützte sich auf die große einst blütenweiße Ledergarnitur. So wie er, hatte auch sie die besten Jahre hinter sich gebracht und die nun schon rauchbraune Oberfläche zierten einige Risse, die Hans fachmännisch mit Paketklebeband überklebt hatte.

»Birgit ..., wo bleibst du, die werden gleich rauskommen, denke ich!«

Denn noch waren die Liegestühle leer, von den beiden Neureichen nichts zu sehn. Dass sie zuhause waren stand aber außer Frage, ihr protziger Wagen parkte frisch gewaschen vor der Garage. So jung und schon so einen Wagen fahren. Hans kaufte seinen ersten Wagen mit 25 Jahren, gebraucht, ein VW-Käfer, grün, die Sitze zerschlissen und trotzdem hat er seinen Herbi geliebt. Und er hatte Birgit darin geliebt. Ein flüchtiges Lächeln huschte über seine spröden Lippen. Warum in Dreiteufels Namen, mussten die ausgerechnet hier ein Haus kaufen, sinnierte Hans. Die passen doch gar nicht hierher in ihrem Schickimicki Aufzug.

»Birgit ...!«

»Musst du mit deiner Zigarette so nah ans Fenster? Du brennst mir ja noch ein Loch in den Store.«

Birgit schlurfte durch das Wohnzimmer, sie sah mitgenommen aus und roch nach fettigem Öl.

»Essen ist gleich fertig«, sagte sie müde und dämpfte ihre Zigarette im schweren Kristallaschenbecher am Couchtisch aus. Danach wischte sie ihre knochigen Hände in die Küchenschürze und strich sich eine graue Haarsträhne aus dem Gesicht. Mitleidig blickte sie zu jenem Mann am Fenster, den sie scherzhaft gern als ihren Ritter der traurigen Gestalt bezeichnete. Darüber lachen konnte Hans schon lange nicht mehr. Er war eben runder geworden, hatte Haare gelassen und brauchte eine dicke Hornbrille, damit ihm das Treiben der Boisenbergs nebenan nicht entging. Eine schicke Designerbrille, die sein teigiges Gesicht vielleicht etwas aufwerten würde, und die der Yuppie da drüber vermutlich aus der Portokasse bezahlen würde, konnte er sich nicht leisten. Sparen, jeden Cent zweimal umdrehen – seit Jahren taten sie nichts anderes. Und dann kommt da plötzlich so ein flockiges Paar daher, er dunkelhaarig, nussbraune Augen, Waschbrettbauch, der geborene Mafiosi, sie blond, eine atemberaubende Schönheit mit 90-60-90 Figur und stechend blauen Augen und kaufen das Haus gegenüber. Einfach so. Sie hatten sich damals, als sie einzogen, auch artig vorgestellt. Edith hielt ihm einen Apfelkuchen entgegen, den sie in einer Bäckerei gekauft hatte und Jaques bot Birgit eine Flasche Rotwein an – einen  Château Pétrus.

»20 Jahre zu spät«, hatte Hans damals gemeint und süffisant lächelnd die Türe ins Schloss geworfen. Hinterher hatte er seine Unfreundlichkeit zwar bereut, aber sich entschuldigen, so wie Birgit gemeint hat, das kam für Hans nicht in Frage. Alles, was ihm in seinem Leben geblieben war, waren sein Stolz und sein Sturschädel. Beides Überbleibsel aus seiner aktiven Bürozeit im Gemeindeamt. Arbeiten schienen die beiden da drüben ja nicht zu müssen, wie Hans missmutig bei seinen Beobachtungen festgestellt hatte. Die verließen das Haus lachend und betraten es auch wieder so.

»Und? Was ist passiert?« fragte Birgit belustigt und wollte eben den Store zur Seite ziehen.

»Nicht, bist du verrückt, die sehn uns ja!«

«Hans«, schüttelte Birgit den Kopf »die wissen, dass wir sie beobachten.«

»Da ..., sie kommen. Jetzt drängle doch nicht so, ich war zuerst hier!«

»Geh halt ein Stück rüber, das ist ein Panoramafenster ..., ich fass es nicht.«

Nun wurde ihnen etwas geboten, was sie so noch nie gesehen hatten. Zwei knackige junge Körper in Badeklamotten, flitzten auf den gepflegten Rasen vor dem Haus.

Ekelerregend dachte Hans, so eine Lebensfreude. Beide liefen lachend um die Liegestühle herum, bis ein markerschütternder Knall eines Böllers ertönte. Jeder ließ sich in den Stuhl plumpsen, der gerade in Reichweite stand.

»Sieger, Sieger ...«, lachte die blonde Edith gut gelaunt. Jaques war samt seinem Stuhl umgefallen. Er rappelte sich lachend hoch und sie stellten ihre Stühle wieder so wie immer – der Sonne zugewandt. Mit fröhlichen Mienen saßen die beiden nebeneinander und Jaques hielt zärtlich die Hand seiner Edith.

»Gratuliere, mein Schatz. Von dir lasse ich mich jederzeit gerne besiegen.«

Er beugte sich hinüber und ihr langer, inniger Kuss ließ die Sonne heller strahlen und das Blau des Himmels dunkler erscheinen.

»Ach«, seufzte Birgit, »die Jugend. Süß die beiden, wie sie sich lieben.«

Sie zog den Store etwas zur Seite und winkte zum Fenster hinaus. Die Boisenbergs winkten zurück, setzten ihre Sonnenbrillen auf und genossen den herrlichen Tag.

»Liebe ist besser als Streit! Und jetzt komm, Hans, das Essen ist fertig.«

Der frostige Ton in Birgits Stimme ließ Hans erschauern. Er blickte noch einmal zu dem verliebten Nachbarspärchen, hob schüchtern seinen Arm und ließ ihn wieder herabfallen. Dann zog er den Store wieder vor und ihm war, als hätten die beiden zurückgewunken. Vielleicht war es jetzt an der Zeit, die muffige Luft aus dem Haus zu lassen, Zeit für Veränderung, Zeit, endlich wieder zu leben, dachte Hans. Plötzlich fühlte er sich um Jahre jünger, lief leichten Schrittes Birgit in die Küche hinterher und rief fröhlich: »Ich komme ..., mein Schaaaatz!«