Wenn nichts mehr geht, soll man sich trennen.

Mein Studium: Jänner 2011 - September 2012 R.I.P

 

Liebe Frau B.,

 

ich weiß nicht, so wie manchmal beim Schreiben, wie ich beginnen soll. Am besten mit wenigen Worten, so wie ich es von Ihnen gelernt habe: Ich bin raus!

 

Es waren interessante eineinhalb Jahre in denen ich viel gelernt habe, doch mir sind Talent, Kraft und die finanziellen Mittel ausgegangen, um mein Studium fortsetzen zu können, vor allem die Kraft. Die Einsamkeit hat mich ausgehöhlt, die Melancholie hat wieder Einzug in meinem Denken gehalten und die Konfrontationen mit meiner Gattin (ich wollte ihr ständig vorlesen was ich so geschrieben habe) wurden mir zu heftig. Ich halte die Einsamkeit meiner Silbenwelt nicht mehr aus, so musste ich diese schwere Entscheidung fällen. Ich werde, so der Sommer einmal wiederkommen sollte, raus in die Natur gehen, um neue Kraft zu sammeln. Zu viele Stunden hockte ich in letzter Zeit vor meinem PC und dachte, dass ich es schaffe, dass ich meine Trübsinnigkeit wegschreiben kann. Scheint, als hätte ich wieder mal verloren. Man kann gute Geschichten nicht erzwingen, vor allem nicht, wenn das Denken von Missmut und Mutlosigkeit blockiert ist. Und nur Geschichten über das eigenen Scheitern zu schreiben, ist nicht das, was ich vorhatte.

 

Ich danke Ihnen für die vielen Korrekturen, die Tipps, die lobenden Worte zu meinen Aufgaben und für den Versuch, mich ein Stück weit voranzubringen. Ich wünsche Ihnen viele tolle Manuskripte und allen Studierenden inspirierende Gedanken, um das zu schaffen, wovon ich immer träumte: ein lesenswertes Buch zu schreiben.

 

Liebe, wenn auch traurige Grüße

Alfred Stadlmann

 

Lieber Herr Stadlmann,

 

haben Sie erst einmal lieben Dank für Ihre Offenheit meiner Person gegenüber. Ihre Motive kann ich sehr gut verstehen, wenn ich es auch stark bedaure, Sie als Studienteilnehmer verabschieden zu müssen. Aber selbstverständlich leuchtet mir das, was Sie schreiben, ein.

 

Ich bedaure, Sie als Teilnehmer zu verlieren, und wünsche Ihnen gleichzeitig alles Gute und viel Kraft für Ihren weiteren Weg. Schreiben hat in der Regel immer auch eine therapeutische Funktion, birgt aber auch die nicht unerhebliche Gefahr, dass man sich isoliert. Vielleicht ist der Weg, in die Natur zu gehen und dort Kraft zu sammeln, hier erst einmal der richtigere Weg für Sie. Schreiben kann viel leisten - ein Allheilmittel bzw. Wundermittel ist es leider nicht. Manchmal tut es gut, Distanz zu schaffen und noch einmal neue Wege zu suchen und zu gehen.

 

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute und bedanke mich für die Korrespondenz, die ich mit Ihnen führen durfte. Es hat mir viel Spaß gemacht. Herzlichen Dank auch für das Vertrauen, das Sie in unsere Einrichtung gesetzt haben und ganz viel Kraft für Sie und Ihren weiteren Weg -

 

Ihre

N. B.

 

 

Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es, doch im Moment sehe ich nur eine weitere Niederlage. Vielleicht denke ich eines Tages anders darüber, denn wie so vieles im Leben, ist auch dieser Abschied eine emotionale Momentaufnahme.