Wieso, weshalb, warum – Menschen suchen Erklärungen, so die einleitenden Worte zu Lektion 11.

 

Wieso habe ich dieses Studium begonnen? Weil ich glänzen, die Welt mit meinen Erzählungen beeindrucken und meine Familie stolz machen will?

Weshalb sitze ich 8 bis 10 Stunden täglich vor meinem PC? Weil ich versuche, die Zeit bis zum Sterben sinnvoll zu nutzen?

Warum tu ich mir das in meinem Alter noch an? Weil ich reich werden will?

 

Der Erzähler legt das Frage- und Antwortspiel, das allem Erklären zu Grunde liegt, in seinen Figuren an, er verwandelt es in Aktion und Reaktion. Der Erzähler löst Erklärungen in Handlung, in Gefühlsäußerungen, in Dialog oder Selbstbetrachtung auf. Der Erzähler darf seinen Leser nicht auf „kaltem“ Wege informieren, besonders nicht dort, wo es um entscheidende Situationen geht.

 

In einem Beispiel leidet der Held an einer unheilbaren Krankheit. Wird der Erzähler nun schreiben: Er wusste, dass er noch wenige Monate zu leben hatte? Wohl kaum, er wird diese Einsicht in eine Szene kleiden.

 

In meinem Studienheft wird dies auszugsweise anhand einiger Textbeispiele aus Büchern berühmter Schriftsteller erläutert:

 

Morris L. West: „Des Teufels Advokat“

Luise Rinser: „Abenteuer der Tugend“

Paulo Coelho: „Veronika beschließt zu sterben“

 

Anhand dieser Textbeispiele wird gezeigt wie eine Situation erklärt wird. Grundsätzlich kann man sagen, als Autor können vier Kunstgriffe des Erklärens benutzt werden:

 

  1. logische Gliederung
  2. Einzelheiten
  3. Beispiele
  4. Vergleiche

 

Gedanken oder Vorgänge versteht der Leser nur dann, wenn Sie ihm die logischen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung deutliche machen. Achten Sie auf die richtige Reihenfolge! Bei philosophischen oder weltanschaulichen Problemen sollte der Leser die Wertordnung des Verfassers kennen, erst dann kann er seine Gedanken nachvollziehen. Komplizierte Ideen und Denkprozesse lassen sich durch anschauliche und lebendige Einzelheiten erhellen.

 

Mit Beispielen können genauere Vorstellungen vermittelt werden; Sie springen damit vom Allgemeinen ins Besondere. Eine starke Wirkung erzielen Sie durch den Gegensatz und das Gegenbeispiel. Mit dieser Hell-Dunkel-Technik heben Sie einen Aspekt deutlich hervor. Auch wenn Sachvergleiche häufig hinken, beim Erläutern geistig-seelischer Vorgänge können Sie auf Vergleiche kaum verzichten.

 

In der Belletristik legen Sie Ihre Fragen und Antworten in den handelnden Menschen hinein. Hier erklären Sie durch Handlungen, Gefühlsäußerungen, Dialog und Selbstbetrachtung. So gestalten Sie als Erzähler eine Szene und wenden alle Kunstgriffe an: Sie verdeutlichen mit Einzelheiten und Beispielen, steigern dramatisch durch Gegensätze und setzen den Vergleich ein.

 

So, nun wende ich mich meiner Einsendeaufgabe zu, in der es um das Beschreiben und erzählen geht.

 

Jeder Mensch hat im Laufe der Zeit etwas erlebt, das sich literarisch verwerten lässt. Auch Ihr Leben bietet Ihnen eine Fülle von Material, über das Sie schreiben können. Ich soll bei dieser Aufgabe ein solches Thema aus meinem Leben wählen und es in Form einer kurzen, farbigen Beschreibung oder Erzählung von nicht mehr als 80 Zeilen wiedergeben.

 

Ich habe mich für die Beschreibung entschieden, weil darin die Sinne angesprochen werden. Erzeugen Sie in Ihrem Leser durch treffende und eindrucksvolle Worte das Gefühl, das Sie selbst dem beschriebenen Objekt gegenüber empfinden.

 

Ich werde es versuchen!