Nach den eher staubtrockenen Lektionen 5 und 6: Das Wort als Lockspeise und Wie Sie das richtige Wort treffen geht es in GR04 um das überarbeiten eines Textes.

 

Weniger ist mehr – überarbeiten

Die fünf Formelemente des Schreibens

Beschreiben, nicht registrieren

 

Das sind die Headlines zu Lektion 7, 8 und 9.

 

Im Vorwort werde ich gefragt, ob ich schon einmal eine kleine Holzente für ein Kind gebastelt habe. Zu meinem Entsetzen muss ich mit „Nein“ antworten, bin ich doch im Gegensatz zu meinem Bruder, handwerklich der Linkshänderfraktion zugewiesen worden. Aber „Barbie-Haus und Auto“ habe ich gebaut.

 

Anschließend folgt eine kurze Anleitung: Sie sägen die Form aus, raspeln die Ecken und Kanten weg, feilen an den Unebenheiten. Dann beginnt die Feinarbeit: Sie schleifen zunächst mit grobem, dann mit feinem Sandpapier. Jetzt kommt die Maserung des Holzes richtig zur Geltung und Sie lackieren Ihr Werk.

Es fühlt sich ganz rund, ganz glatt an.

 

Ich mache mir ernsthaft Sorgen und lese weiter. Was für eine Erleichterung, als da steht: Beim Schreiben haben Sie es mit ganz ähnlichen Arbeitsschritten zu tun.

Klingt einleuchtend und ist es auch. Mal angenommen, Sie haben eine Kurzgeschichte geschrieben. Als Sie endlich fertig vor Ihnen lag, waren Sie überglücklich. (Stimmt genau) Sie haben Sie einem Freund zu lesen gegeben – der hat sie gar nicht verstanden oder sogar gegähnt. Am liebsten hätten Sie Ihr kostbares Werk gleich zerrissen. (Bei mir war das anders, ich war nur verärgert) Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: Sie können weiter an Ihrer Arbeit feilen und zu dem durchdringen, was Sie eigentlich aussagen wollten. Nur Laien glauben, (zu denen gehöre ich ja nicht mehr) dass ein Autor sich hinsetzt und in einem Rutsch ein druckfreies Werk verfasst. Ein erfahrener Schriftsteller (das bin ich noch nicht) kennt viele Methoden, wie er seinen Text immer weiter verbessern kann. Die Arbeitsschritte zwischen der ersten Fassung und einem fertigen Text wollen wir hier miteinander besprechen. Damit Sie nicht mehr für den Papierkorb arbeiten.

 

So weit, so gut. Als Beispiel möchte ich hier mein demnächst erscheinendes Buch: „Stammtischgespräche – Reicher als reich“ anführen.

 

Am 13. Jänner 2009 begann ich daran zu Schreiben. Ich schrieb wild darauf los und alle Geschichten die mir aus Jugendzeiten einfielen, saugte ich auf und tippte sie in ein Word-Dokument. Nach fünf Seiten und 1254 Wörter hatte das Dokument einen Umfang von gerade mal 27kb (Kilobyte). Jedes Mal wenn ich daran weiterschrieb, habe ich es mit dem aktuellen Datum abgespeichert, so konnte ich, wenn etwas schiefgehen sollte, auf die vorige Version zurückspringen. Die „ERSTE“ finale Version vom 25. März 2009 hatte 54710 Wörter auf 243 Seiten, gesetzt auf 13,5 x 21,0cm und jeweils 1,5cm Seitenrand. So schickte ich das Manuskript an diverse Verlage. Was dabei rausgekommen ist, das können Sie sich vermutlich denken, zumal Sie von keinem Buch mit diesem Titel gehört haben. Das aktuelle „finale“ Skript vom 08. Februar 2011 umfasst 152 Seiten gesetzt in 12 x 19cm und beinhaltet insgesamt 29.953 Wörter. Hieraus wird ersichtlich, die Zeit, die das Manuskript bis zur heutigen Form brauchte, um zu reifen und die Kürzungen, die ich machte, um das fertige Buch lesbarer zu gestalten.

 

Merksatz: Überarbeiten gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten des Schriftstellers!

 

Nur Schritt für Schritt gelangen Sie zu einem gelungenen Text, dabei ist es wichtig, den Respekt vor der Grundidee nicht zu verlieren. Stellen Sie deshalb zunächst die erste Fassung fertig, bevor Sie sich den Feinheiten zuwenden. Gönnen Sie anschließend sich und ihrem Text ein bisschen Ruhe. Lesen Sie den Text laut, dann entlarven sich manche schwache Stellen von selbst. Bearbeiten Sie nun ihr Manuskript handschriftlich. Arbeiten Sie die Korrekturen ein und wiederholen Sie diese Prozedur, wenn Sie nicht völlig zufrieden sind. Achten Sie dabei auf Ausdrucksform, streichen Sie Füllwörter und entbehrliche Details.

 

Abschließend ein paar Fragen zur Qualitätsverbesserung ihrer Arbeit:

 

1.      Habe ich verständlich und lebendig formuliert.

2.      Was kann ich vereinfachen, was kann ich wegstreichen, wo muss ich ergänzen?

3.      Bringe ich mein ursprüngliches Anliegen zum Ausdruck?

4.      Ist mein Manuskript sprachlich in Ordnung?

5.      Stimmen Rechtschreibung und Zeichensetzung?

6.      Sind alle Daten korrekt.

 

Sie sehen schon, es ist vermutlich einfacher seine Zähne zu putzen, als ein Buch zu schreiben, aber lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie brauchen sich nicht unzulänglich zu fühlen und an sich zu zweifeln. Je mehr sie sich bemühen, desto wahrscheinlicher ist der Erfolg, desto zufriedener können Sie am Ende mit sich sein. Und das ist es doch, dass Sie anstreben.

 

Und damit im Falle eines sensationellen Manuskriptes, um das sich 13 Verlage (13 = Glückszahl oder Glücksfall) duellieren, nicht die Kommunikation mit dem Lektorat auf der Strecke bleibt, habe ich einen Link gefunden, der die gängigsten Korrekturzeichen der Lektoren beinhaltet.

 

Korrekturzeichen.pdf

 

In Lektion 8 werden wir uns den fünf Formelementen des Schreibens widmen. Bis bald.